Cosima Göpfert

(D, Grammetal). Cosima Göpfert (geb. 1981) hat eine Ausbildung zur Grafikerin (Regensburg) absolviert, gefolgt von einem Studium der Freien Kunst an der Bauhaus-Universität Weimar bei Naomi T. Salmon und Prof. Norbert W. Hinterberger, und einem Studium des Gymnasial-Lehramts für Kunst & Geschichte an der Bauhaus-Universität Weimar und der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Atelier in Grammetal, Weimar. About the artists

Genres: Skulptur, Porzellan

Kuratorische Notiz: Hunger, Hungersnot, Brot, Body shaping durch Hungern

Werke: „Moulin“, „Stepptease“, „Kleine Brötchen & warme Semmeln“

Kleine Brötchen & warme Semmeln, Multiples : Biskuit-Porzellan, Bodenmarke, 2022,
karitatives Projekt,| Brote, Semmeln, doppelte Brötchen in Originalgröße. Inkl. Spende an Kinderhilfsorganisation: 100€/Exp.
Moulin rouge, Moulin bleu, Moulin vert: Wandobjekte, glasiertes Porzellan, farbiges
Silikon, ØxT : 36 x 20 cm, 2023/24/25. Je 3000€
Stepptease: Raumobjekt, glasiertes Porzellan, schwarzes Silikon, Ø 36 cm, 2023. 3500€

Die Serie „Moulin“ (rouge/vert/bleu) sowie die Skulptur „Stepptease“ schreiten und rollen zugleich durch die Geschichte der weiblichen Emanzipation. 

So erscheinen sie zunächst wie ein zartes, vom Wind getragenes Pusteblümchen. Oder man assoziiert eine Schar Tänzerinnen, die beinschwingend frivol einen freizügigen Blick unter den Rock erlauben – dem Spiel mit dem Verbotenen, dem Verheißungsvollen; der Sehnsucht nach Vergnügen und dem Hunger nach einem pulsierenden Lebensgefühl eine Bühne bieten. 

Wer genauer hinschaut, kann entdecken, dass es sich bei den fein-weißen herausstehenden Beinen um Porzellan-Abgüsse von Barbie-Schenkeln handelt – der ikonischen Puppe, die seit jeher wie keine andere für höchste Ambivalenzen steht: von einem verschrobenen Körperbild der Frau, das bereits Kindern vermittelt wird, über ein Konsumverhalten, das vornehmlich Mädchen und Frauen anerzogen und zugeschrieben wird, bis hin zur Befreiung der „Person“ Barbie aus dem Hausfrauendasein und Hinwendung zu einem vielfältigen Berufsleben als Pilotin, Tierärztin, Verkäuferin oder – um den Kreis wieder zu schließen – einfach nur als Partymaus. (Cosima Göpfert)

„Kleine Brötchen & warme Semmeln“ thematisiert einen vielfältigen Hunger und begegnet diesem mit klarer Haltung.

Das durchaus humorvolle Multiple aus Biskuit-Porzellan repräsentiert DAS Grundnahrungsmittel schlechthin, abgebildet in einem Material, auf dem es für gewöhnlich serviert wird. „Kleine Brötchen & warme Semmeln“ umfasst eine Stückzahl von insgesamt 1000 Broten, Semmeln und Doppelbrötchen. Es verkörpert sowohl unser Streben nach Wohlstand, nach MEHR, einem Überangebot: den Appetit – als auch konträr dazu das Stillen eines Urbedürfnisses, das uns allen zu eigen ist: den Hunger. 

Haltung zeigt „Kleine Brötchen & warme Semmeln“ durch sein karitatives Element. Jeder Ankauf eines Einzelstücks des Multiples bedeutet eine Spende an ein Kinderhilfswerk von 20 % des Verkaufspreises. Der Spendenanteil schlägt beim Endpreis nicht zu Buche, sondern wird vom Gewinn-Anteil auf Künstlerinnenseite abgezogen. Aber auch der Käufer setzt ein Zeichen gegen den Hunger, hat er doch mit dieser Anschaffung einen Beitrag für Kinder in Not geleistet.  (Cosima Göpfert)