
(CHN/UK/D, Augsburg). Der gebürtige Brite mit chinesischem Background Daniel Man (geb. 1969) absolvierte ein Studium an der Hochschule für bildende Kunst Braunschweig bei Prof. Walter Dahn, gefolgt von einem Meisterschüler Studium an der Akademie der bildenden Künste München bei Prof. Markus Oehlen. Atelier in Augsburg. About the artists
Genre: Malerei
Kuratorische Notiz: Hunger nach Vollendung, Suche nach dem wundersamen Moment
Werke: „Final countdown /Just another critical experience“, „Was danach kommt“, „Entschieden, unentschieden“, „Drop it“, „Change it anyway“
Hunger nach Nichts
Bis vor etwa 10 Jahren war abstrakte Malerei für mich an die Abbildung spezifischer, prozessorientierter Interessensfelder (Quantenphysik, Mindmaps etc.) gebunden. Über diese Interessensfelder extrahierte ich die Essenz meiner Suche nach Orientierung in der Gesellschaft – wo ist mein Anker, wo meine Position?
Mein Verlangen nach Orientierung wandelte sich über die letzten Jahre in einen Hunger nach Erkenntnis. Erkenntnis über das eigene künstlerische Vorgehen, den wahrhaftigen Malvorgang, d. h., jegliches bildnerisches Ziel außer Acht zu lassen. Aus meiner persönlichen Geschichte heraus erscheint mir abbildende oder figurative Malerei hinderlich, da ich meine Wurzeln im sehr gegenständlichen Graffiti habe. Ich möchte mich nicht auf altbekanntem Terrain bewegen. Gelernte Muster sind zwar bequem, aber auch sehr limitierend.
Daher ist eine nonfigurative Malerei für mich am besten geeignet, um einen Nicht-Zustand hervorzurufen, der mit Worten kaum zu beschreiben ist. Die leere Leinwandfläche als carte blanche, als Projektionsfläche für bereits gewonnene und im malerischen Prozess noch zu entdeckende Erkenntnisse.
Das unmittelbare Erleben des malerischen Prozesses steht dabei im Zentrum. Wesentlich an diesem Prozess ist, dass er möglichst keiner Ziel-, Inhalts-, Gegenstands- oder Gedankenorientierung folgt. Diese Haltung widerspricht natürlich unserem menschlichen Geist, der konditioniert und niemals ohne gedankliche Vorstellungen ist. In diesem Widerspruch entstehen meine Bilder. Ich versuche, soweit es möglich ist, meinen konditionierten Gedankenapparat in den technischen Teil meiner Malerei zu bannen (z. B. Strichart, Maltechnik, Pinselführung). Das „Schöpferische“ – also Bildkomposition, Farb- und Richtungsgebung – soll möglichst (aus dem Moment) intuitiv und frei von Konzepten passieren, ohne jedoch in einen automatisierten „Flow-Zustand“ abzugleiten. Je weiter die Entstehung eines Bildes fortgeschritten ist, desto weniger Raum bleibt für Intuition.
Gedanken und „fertige“ Vorstellungen sind meiner Erfahrung nach die größte Hürde für Entfaltung. Ich versuche deshalb, mich Wiederholungen nach Möglichkeit nicht auszusetzen und keine Erwartungen zu erfüllen. Ein Werk allein aus dessen eigener Notwendigkeit heraus zu schaffen, auch wenn das paradox klingt. Die aus diesen Widersprüchen resultierende Wachheit und Spannung ermöglichen mir kreatives Handeln. Dies mag ein anstrengender Weg sein, er scheint mir jedoch ehrlich. (Daniel Man)
