Guta Galli

(BRA/São Paulo). Guta Galli (geb. 1982) hat einen Postgraduiertenabschluss in Fotografie an der FAAP – Fundação Armando Alvares Penteado, São Paulo/BRA und einen Master in Fine Arts des San Francisco Art Institute/USA erhalten. Ateliers in São Paulo und San Francisco. About the artist

Genres: Malerei, Video, Performance, Fotografie

Kuratorische Notiz: Verkörperter Hunger, resiliente Independent-Praxis, in Kooperation mit Ivan Padovani/BRA

Werke: „Puérperas“ (2021), „I need to believe that you will see me“, „I need to believe that you will see me II“ (2021)

„I need to believe that you will see me“ (Ich muss daran glauben, dass du mich sehen wirst), Videoinstallation, 2021, HD, 21 min.
„I need to believe that you will see me II“, Serie von 4 Fotografien aus der Foto-Performance „I need to believe that you will see me II“ (Ich muss daran glauben, dass du mich sehen wirst II), Druck auf Baumwollpapier, 20cm x 11cm
Aus der Serie „Puérperas“ (Wöchnerinnen):
“11”, Aquarell auf Papier 300g, 42cm x 30cm, 2021.
“7”, Aquarell auf Papier 300g, 42cm x 30cm, 2021.

Diese Ausstellung vereint Werke von mir und Ivan Padovani, die sich damit auseinandersetzen, wie neoliberale und hyperindividualistische Systeme sowohl Körper als auch Landschaften umgestalten. Ich zeige Aquarelle aus meiner Serie „Puérperas“ (Wöchnerinnen) und das Video „I need to believe that you will see me“ sowie eine Fotoserie dazu, in welchen ich mich in einer Performance selbst stille und dabei die psychischen und physischen Auswirkungen der Mutterschaft in einer patriarchalischen Gesellschaft untersuche, die von Isolation, Verlust der Subjektivität und dem Schwinden gemeinschaftlicher Unterstützung geprägt ist.

Meine Werke positionieren den mütterlichen Körper als einen Ort, an dem strukturelle Gewalt als bekannt und im Körper eingeschrieben dargestellt wird.

Padovanis Video „Sobre a Terra“ (Auf der Erde), komponiert auf einen Soundtrack von mir, das aus angeeigneten Bildern von Chinas „Nagelhäusern” besteht, die inmitten verwüsteter Baustellen stehen geblieben sind, enthüllt Akte des Widerstands gegen spekulative Immobilienexpansion und ethisch indifferente Infrastrukturpolitik. Die frenetische Überlagerung von Bildern, begleitet von meinem verzerrtem Soundtrack eines Betonmischers, erzeugt eine unerbittliche Atmosphäre der Unterdrückung und des Schocks. Und beschwört eine Erinnerung herauf sowohl an den urbanen Wandel in Städten wie São Paulo als auch an die weitreichenden ökologischen und sozialen Folgen einer ungebremsten Entwicklung, die sich während der Pandemie noch intensiviert hat. Padovanis Zeichnungen von architektonischen Säulenstrukturen „Cálculo estrutural“ (Statische Berechnung), die unter unsichtbarem Druck verbogen und deformiert sind, erweitern diese Reflexion auf den Bereich des gebauten Raums.

Gemeinsam zeichnen wir parallele Gewalttaten nach und legen offen, wie neoliberale Kräfte gleichzeitig auf den weiblichen Körper und die gebaute Landschaft einwirken. (Guta Galli)

Fotos: Guta Galli. Videostills und Fotografien aus „I need to believe that you will see me“. Aquarell aus „Puerpéras“. All rights reserved.