
(D, Offenbach am Main). Petra Maria Mühl (geb. 1965) ging nach einem Bühnenbildpraktikum an den Theaterwerkstätten der Bühnen der Stadt Bonn an die Schule für Gestaltung Basel/CH, im Studiengang Fläche und Farbe bei Moritz Zwimpfer, danach absolvierte sie an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach am Main ein Diplomstudium Freie Kunst, Schwerpunkt Dreidimensionales Bild bei Prof. Klaus Staudt. Atelier in Offenbach. About the artists
Genre: Video-Rauminstallation. Pos. 18
Kuratorische Notiz: Hungersnot, Wassernotstand, Hungersteine, Thema im historischen und persönlichen Kontext
Werke: „Wenn du mich siehst, dann weine“
„Wenn du mich siehst, dann weine“, Installation und Video im Digital-Bilderrahmen, Holz, Spiegel, Schwemmgut, Steine, 220 x 220 x 145 cm (Haus), Fotografien Digitaldruck Pigmenttinte auf Art-Fabric, 125 x 500 cm, 2026. Gesamtpreis 6.500€




Meine Arbeiten befassen sich mit den Themen Erinnerung, Natur und Vergänglichkeit. In meiner Installation „Wenn du mich siehst, dann weine“ begegne ich meiner eigenen Familiengeschichte.
Ein Haus, ein Tisch. Die Installation wirkt auf den ersten Blick harmonisch, sorgt beim Näherkommen für Irritation: Das Haus ohne Wände steht schief, der Tisch ohne Beine schwebt wie ein unbesetztes Floß über steinigem Flussufer und imaginären Wellen, die sich auf dem Boden als Erinnerungsbilder widerspiegeln. Der Waschzuber umgefallen, die zuletzt zum Trocknen aufgehängte Stoffbahn in verdorrtes Treibgut verwandelt. Durch das verlassene Haus weht zwischen Wellenrauschen leise geflüstert eine Drohung: „Wenn du mich siehst, dann weine!“ Als würde aus düsteren Märchen aus Böhmen vorgelesen, so wie mir selbst als Kind. Die Mahnung beschwört aufziehendes Unheil: Es steht eine große Hungersnot bevor! Denn nur wenn der Wasserpegel enorm gefallen ist, werden diese Worte als Inschrift in einem sogenannten „Hungerstein“ eingemeißelt, sichtbar und lesbar.
Abwesenheit von Wasser verändert alles. Dürre deckt Geheimnisse auf. Ausgerechnet im Heimatort meiner Vorfahren liegt der bekannteste „Hungerstein“ aus dem 15. Jahrhundert in der Elbe. Geschichten meiner Großmutter aus Hungerzeiten Ende des 19. Jahrhunderts finden hier einen subtilen Erinnerungsraum. Das fragmentarische Haus, sinnentleerte Alltagsgegenstände stehen als Symbol für fragile Natur und entwurzelte Heimat, und lassen die Betrachter:innen die Installation nicht nur physisch, sondern auch emotional als Ereigniskette erleben. Denn die Folgen des Klimawandels werden die Hungersteine regelmäßiger zum Vorschein bringen, nicht nur in der Elbe. (Petra Maria Mühl)
Ausstellungsfotos: Isabella Groth
