Stefanie Ehrenfried

(D, Rosengarten). Stefanie Ehrenfried (geb. 1967) studierte Freie Malerei, Performance und Rauminstallation an der staatlichen Akademie der bildenden Künste, Stuttgart bei Joseph Kosuth und Prof. K. R. H. Sonderborg. Darauf folgte eine mehrjährige Lebensphase als Tänzerin und Performerin bevor sie die plastische Arbeit mit Schafwolle begann. Atelier in Mainhardt. About the artists

Genre: Gefilzte Plastik

Kuratorische Notiz: Aufschrei/Satt sein, Physischer Hungerausdruck, Einverleibung, Hunger nach Lebendigkeit und Transzendenz

„Gehäuse“, Schafwolle, nadelgefilzt, tragendes Gerüst aus Holz und Stahl, 250 x 170 x 170 cm,
2008-2023. Unverkäuflich
„Starke“, Schafwolle, nadelgefilzt, 104 x 90 x 76cm, 2010. 14000€
„Große Beere“, Schafwolle, nadelgefilzt, 55 x 70 x 120cm, 2012/17. 15000€
„O. T.“ (serpent), Schafwolle, nadelgefilzt, 23 x 220 x 235cm, 2025. 7000€

Nehmen wir vom leiblichen Hunger die Oktave, dann kommen wir zum Sehnen, nach seelischer und geistiger Sättigung, nach Fülle, Erfüllung. Die Gesichter, die das „Gehäuse“ innen komplett auskleiden, waren der Beginn meiner plastischen Arbeit mit dem (durchaus nährenden) Material Schafwolle. Die gedeihliche, archaisch lebensvolle Ausstrahlung dieses Materials ist eine gute Basis, um den Kraftakt des Nadelfilzens auf sich zu nehmen. Durch unzähliges Einstechen mit den Filznadeln verschlingen und verdichten sich die losen Fasern. Das eigentliche Material Filz entsteht erst zusammen mit der Form. Dieses kleine Rundgebäude ist in einem Zeitraum von über 15 Jahren entstanden, hat dabei einige äußerliche Wandlungen durchlaufen und ist sozusagen die „Mutter“ aller folgenden Arbeiten. Es ist ein Ort, welchen ich mir aus dem Sehnen nach Verbundenheit mit namenlosen Kräften jenseits des gewöhnlichen Zeit- und Raumgefüges geschaffen habe, einen inneren (poetischen) Raum eröffnend. Erstaunt war ich festzustellen, dass für einige Betrachter hier ein Gegenbild wirkt: Die Gefährdung der Einverleibung durch diese vielen Wesen, die es bewohnen, wenn man es wagt, einzutreten.

„fremd – vertraut“ ist womöglich eine passende Charakterisierung für viele meiner Arbeiten. (Stefanie Ehrenfried)

Die „Starke“ ist ebenfalls Trägerin dieser Ambivalenz. Sie ist initiiert von einem morgendlichen, überaus kraftvollen Gefühl unbändiger Lebenslust: „Ich könnte die ganze Welt fressen.“ Obwohl das ein Vorgang ist, den sie offenbar kraftvoll mit sich selbst ausmacht, ist sie mit ihrem zum Zubeißen geöffneten Mund und dem Tierköpfchen, welches aus ihrer Brust herauskommend sich ihrem Gesicht mit ebenso offenem Maul zuwendet, doch auch verunsichernd – eine unberechenbare „geballte Ladung“ in sich tragend.

Die „Große Beere“ ist eine übergroße Frucht, ein Köpfe-Konglomerat, aus welchem sich ein Wesen individualisierend herauszulösen im Begriff ist. Sicherung, Sättigung in der Gruppe um den Preis eines zugewiesenen Platzes (und Wertesystems) ist eine Einengung, die hier in die Anstrengung des Sich-Entwindens mündet.

„O. T. (serpent)“ ist die jüngste Arbeit. Die Schlange in ihrem Aspekt der innigsten Erdverbundenheit – mit ihrem gesamten Leib an diese angeschmiegt – wird durch den Menschenleib, der in ihr zu stecken scheint, verstärkt fühlbar. Unerklärt bleibt die Beziehung zwischen dem Schlangenwesen mit dem Menschenkopf, dessen Mund bodennah geöffnet ist, und der geschlungenen, veränderbaren Bewegungsform, die neben ihr liegt. Woher kommt oder wohin strebt dieses Element, ist es eben aus ihr herausgekommen oder wird es unmittelbar verschlungen werden?