
(RU/D, Frankfurt). Venera Kazarova erhielt eine Ausbildung zur Mode Designerin an der AN Kosygin Moscow State Textile University in Moskau und konzentrierte sich bald auf Kostümbild für Theater und Tanz z. B. als Kostümbildnerin am Free Space Theater in Orel (RU). In Deutschland begann die künstlerische Arbeit mit Stop-Motion Videos, in welchen sie als neutrale Hauptfigur mit ihren surrealen Papier-Entwürfen interagiert. Atelier in Frankfurt. About the artist
Genres: Stop-Motion Video, Kostümbild, Ausstattung
Kuratorische Notiz: Hungerfühle werden bildhaft, Hunger lebt in der Person, Verlangen zu verschlingen
Werk: Das Geräusch des Hungers
„Das Geräusch des Hungers“, Video Compilation, Full HD, Stopmotion Sequenzen, 2024-2026. Unverkäuflich
Der Mund ist ein Organ des Begehrens, des Verzehrens, des sinnlichen Erfassens der Welt.
Das Auge ist ein Organ der Wahrnehmung, der Sehnsucht nach Bildern, des visuellen Hungers. Wenn aus einem Gesicht Blumen-Münder und Blumen-Augen wachsen, dann lässt sich das lesen als: Der Mensch ist nicht nur hungrig — er wuchert mit seinem Hunger, er blüht aus seiner ungestillten Sehnsucht heraus, mit dem Verlangen, zu sehen und zu verschlingen, zu erfassen, zu begehren, aufzusaugen.
Ich arbeite an der Schnittstelle zwischen bildender und darstellender Kunst und untersuche, wie Bewegung, Wahrnehmung und Begehren sich gegenseitig beeinflussen. In meiner Praxis wende ich mich oft dem Körper als Ort erhöhter Sensibilität zu, als einer Oberfläche, auf der verborgene Impulse sichtbar werden.
Für die Ausstellung Hunger wähle ich eine Auswahl meiner Stop-Motion-Filme. Hier wird Hunger nicht als körperliche Entbehrung verstanden, sondern als existenzielle Sehnsucht: ein Hunger nach Schönheit. Durch sorgfältig zusammengestellte Sequenzen kleiner Gesten inszenieren die Animationen eine kontinuierliche Suche, als müsse Schönheit Frame für Frame konstruiert werden und sei niemals vollständig erreichbar. In diesen Arbeiten wird Schönheit zu einer lebenswichtigen Notwendigkeit – dringend, zerbrechlich und manchmal beunruhigend. Das Flackern des Lichts und das Zittern der Formen schaffen eine Landschaft, in der das Verlangen des Körpers sich reckt zu einer imaginären Fülle. Doch die sich wiederholenden, fast obsessiven Bewegungen offenbaren die Unmöglichkeit, jemals vollständig zufrieden zu sein.
Indem Schönheit eine Form des Hungers darstellt, erforsche ich Sehnsucht als eine sowohl stärkende als auch erschöpfende Kraft. Die Projektion lädt die Betrachter ein, den Raum zwischen Sehnsucht und Erfüllung zu bewohnen, um zu spüren, wie tief unser Verlangen nach Schönheit unsere Wahrnehmung der Welt prägt. (Venera Kazarova)
