Vládmir Combre de Sena

(BRA/D, Frankfurt am Main). Vládmir Combre de Sena (geb. 1961) absolvierte ein Studium der Kunsterziehung (Bildende Kunst und Theater) an der Universität des Bundesstaates Pernambuco (UFPE), Recife/BRA. In Deutschland folgte ein Aufbaustudium für Kulturmanagement M.A. an der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg. Grafikdesigner, Kurator. Atelier in Frankfurt. About the artist

Genres: Fotoinszenierung, Rollenspiel, Video

Kuratorische Notiz: Machthunger, Suche nach Identität, Hunger nach Persönlichkeit, Projektion, Arbeit und Hunger

Werke: „Something is rotten in the state of Denmark – Hamlet“, Fotoperformance / „Speak low“, Video

„Something is rotten in the state of Denmark – Hamlet“, Fotografie, fotografische Performance, Fine-art Print auf Hartschaumplatte, 11 Fotografien, je 119 x 84cm, 2021. Gesamtpreis 4000€
„Speak low“, Musikvideo, 4K, colour, 03:30 min, 2022.

Hamlet ist mehr als eine Figur aus einem alten Theaterstück. Er ist ein Spiegel. Für Zweifel. Für Schmerz. Für das Ringen mit sich selbst und der Welt. Für die Frage: Wer bin ich – und was ist falsch in der Welt? Genau diese Fragen stehen auch im Zentrum meiner künstlerischen Arbeit. Meine Fotoperformance „Something is rotten in the state of Denmark“ besteht aus elf Bildern. In ihnen verkörpere ich alle Hauptfiguren aus der Tragödie Hamlet. Und ich erzähle über mich selbst. Es ist ein Gespräch zwischen meinem Körper, meiner Biografie und der Dichte dieser Figuren. Ich bleibe sichtbar als ich selbst, auch wenn ich mich verwandle. Ich trage meine Geschichte. Ich trage nichts weiter als einen weißen elisabethanischen Halskragen und meine dunkle Haut. Meine Präsenz allein trägt die Rollen. Und ich stelle Fragen: Was verbindet mich mit diesen Charakteren? Wo unterscheiden wir uns?
Meine Arbeit ist auch eine Kritik am strukturellen Rassismus.
Nicht offen, nicht laut – aber spürbar. Denn noch immer gibt es feste Bilder davon, wer was sein darf. Wer die Hauptrolle spielen darf. Die Geschichte der Ausgrenzung verläuft über Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit. Ich sage: Ich bin da. Ich bin viele. Ich bin Hamlet – und Claudius, und Gertrude, und Ophelia. Ich bin nicht das Klischee. Ich bin nicht die Ausnahme. Ich bin die Regel, neu gedacht.
Auch die Männlichkeit wird in meiner Arbeit neu gelesen.
Hamlet ist kein »starker Mann« im klassischen Sinn. Er weint. Er zweifelt. Er verliert. In meinen Bildern ist Männlichkeit nicht eindimensional. Sie ist weich und hart. Wütend und still. Liebevoll und kalt. Ich zeige Männerfiguren, die ihre Masken ablegen. Die versuchen, sie selbst zu sein – und oft daran scheitern. Aber auch im Scheitern liegt Wahrheit.

Meine Foto-Performance ist kein Kostümfest. Es ist eine Einladung. Zum Sehen. Zum Nachdenken. Zum Anerkennen. Es ist ein persönliches Statement gegen Ausgrenzung und für Menschlichkeit. Es ist ein leiser, aber klarer Ruf: „Etwas ist faul im Staate Dänemark“ – nicht nur in der Welt von Hamlet, sondern auch in unserer Gegenwart. Und es ist der Versuch, durch Kunst einen Raum zu öffnen. Für eine neue Form des Erzählens.
This is me. I’m Hamlet. (Vládmir Combre de Sena)

„Speak Low“ ist ein Musikstück, das Kurt Weill zu einem Text von Ogden Nash komponierte und 1943 veröffentlichte. Der Song, der für das Broadway-Musical „One Touch of Venus“ geschrieben wurde, wurde 1944 zum Hit und etablierte sich später als Jazz-Standard. Im Musical ist der Song die Liebeserklärung der Venus an den männlichen Helden Rodney. Der Titel des Liedes („Speak low when you speak love“) greift eine klassische Stelle aus Shakespeares Viel Lärm um nichts auf, die dort von Don Pedro gesprochen wird („Speak low, if you speak love“).

In Roubaix herrscht große Armut. Fast die Hälfte der Bevölkerung von Roubaix ist arm. Ein Viertel geht zur Tafel, um sich mit Lebensmitteln zu versorgen. In Roubaix gab es große Textilunternehmen, die alle Mitarbeiter entlassen haben. Mittlerweile gibt es mehrere Generationen, die ohne Arbeit und in Armut leben. Die Mehrheit stammt aus Nordwestafrika (Maghreb).

Meine Arbeit „Speak low“ ist gleichzeitig eine Hommage an die Migranten von Roubaix und an diejenigen, die zum wirtschaftlichen Erfolg Frankreichs beigetragen haben und andererseits der Blick auf eine bessere Beziehung zwischen den Einwanderern und der sozialen Situation in Roubaix, aber auch im europäischen Kontext. (Vládmir Combre de Sena)