
(D, Rüsselsheim am Main). Yannick Pfeifer (geb. 1999) hat ein abgeschlossenes Ingenieursstudium vorzuweisen. In der Rüsselsheimer Innenstadt betreibt er einen Kunst Off-Space und Atelier „Die Taube“. About the artists
Genres: Malerei, Installation
Kuratorische Notiz: Tier als Fleischlieferant, Fleisch- und Nahrungsmittelverarbeitung, Industrie, Konsum
Werke: „Charolais IV“, „Untitled“
„Charolais lV“, Malerei, Acryl, Pigment & Öl auf Leinwand, 350 x 290cm, 2025. 3000€
„Untitled“, Aluminium-Installation, 250 x 175 x 100cm, 2026.
„Charolais IV“ Das monumentale Charolais-Rind steht im Zentrum einer Bildwelt, die gleichermaßen Kraft, Verletzlichkeit und Absurdität verhandelt. Vor einem schwebenden, fast schwerelosen Hintergrund aus Blau-, Grün- und Erdnuancen erscheint das Tier herausgelöst aus seiner Realität, hineingehoben in einen Zustand zwischen Symbol, Projektion und Körper. Es ist präsent und massig, aber zugleich merkwürdig entrückt.
Das Thema HUNGER durchzieht das Werk auf mehreren Ebenen. Einerseits verweist das Charolais, eine Hochleistungsrasse der Fleischindustrie, auf die ökonomische Logik von Wachstum, Verwertbarkeit und Konsum. Der Körper des Tieres wird zur Projektionsfläche menschlicher Bedürfnisse, zur Skulptur der Nahrungsproduktion, zur Metapher für ein System, das ständig verlangt: mehr Gewicht, mehr Ertrag, mehr Fleisch. Gleichzeitig schwingt ein existenzieller Hunger mit, nach Sicherheit, nach Zugehörigkeit, nach Sinn. Das Tier wirkt nicht triumphierend, sondern still, beobachtend, fast melancholisch.
Die im Bild schwebende Qualle öffnet ein zweites, irritierendes Bildfeld. Sie gehört weder in diesen Raum noch in diese Welt, erscheint fremd, transparent, verletzlich und doch überlebensfähig in ganz anderen Sphären. Sie steht für Zerbrechlichkeit und zugleich für eine archaische Beständigkeit, als Wesen, das Hunger nicht moralisch verhandelt, sondern als reine Existenzbedingung kennt. Zwischen Rind und Qualle entsteht eine Spannung: zwei Körper, zwei Lebensformen, zwei Systeme des Überlebens. „Charolais IV“ ist damit weniger bloße Tierdarstellung als eine Verdichtung von Fragen: Wer hungert eigentlich? Wer nährt wen? Das Bild verweigert eindeutige Antworten und lässt den Hunger als Zustand stehen, der nicht nur biologisch, sondern zutiefst gesellschaftlich und emotional ist. (Yannick Pfeifer)
In Nachbarschaft des monumentalen Charolais-Gemäldes liegt eine Installation aus großen Aluminium-Zahnriemen. Es sind Relikte einer Uhr ohne Uhrwerk, Zahnräder ohne Zentrum. Wo einst Zeit veranschaulicht, Struktur gegeben und Konsumrhythmen begleitet wurden, liegt nun eine stille, schwer greifbare Mechanik.
Die Zahnriemen treffen auf das Tier im Bild: ein Körper, optimiert für Fleischproduktion, Ausdruck eines Systems. Die Zahnriemen am Boden wirken wie die unsichtbaren Zahnräder dieses Systems: industrielle Zeit, wirtschaftlicher Fortschritt, Stadtentwicklung, Aufstieg und Zusammenbruch des Konsumversprechens. (Yannick Pfeifer)
