
(I/D, Hofheim am Taunus). Die Südtirolerin Mary Zischg (geb. 1970) studierte Bildhauerei bei Prof. Michelangelo Pistoletto an der Akademie der Bildenden Künste in Wien/Österreich. Der Deutsche Ernst-Ludwig Kolt (geb. 1965) absolvierte ein Studium zum Kunstpädagogen an der J.-W.-v.-Goethe–Universität in Frankfurt a. M. bei Prof. Claus Bury. Beide treten seit über 25 Jahren als Künstlerduo an die Öffentlichkeit. Atelier in Hofheim am Taunus und in Stilfs/BZ/I. About the artists
Genre: Installation
Kuratorische Notiz: Machthunger, Essen, Politisierung der Nahrung, Geschlechtertrennug, Diskriminierung
Werke: „verzogeneMachtMonumente“
verzogeneMachtMonumente“, Rauminstallation, ca. 55 Stoffbänder (Breite: 9 cm), ca. 55 Weckgläser, ca. 110 Steine, div. Kochbücher ab 1945, div. Seile und Spannriemen, ca. 600 x 700 x 210cm, 2025-2026. Preis auf Anfrage
Wir verstehen uns in unserer künstlerischen Arbeit als Spurensammler. Spuren begreifen wir als Beweismittel des Vergangenen, die bis in die Gegenwart wirken können.
Ausgangspunkt der für Belichtungsmesser 2 entwickelten Installation „verzogeneMachtMonumente“ sind Kochbücher aus der Nachkriegszeit bis in die heutige Zeit. Die Seiten wurden dabei aus ihrem ursprünglichen Kontext gelöst. Ohne den Halt im Kochbuch verlieren sie ihre vordergründige Funktion als bloße Rezeptniederschriften. Umso entlarvender wird ihre Aufgabe, gesellschaftliche Rollenbilder, Wertevorstellungen und Machtverhältnisse ihrer Zeit zu verfestigen. Diese Bücher hatten damals einen klaren, wenn auch subtilen Erziehungsauftrag. Ihre Zielgruppe war die Frau. Vermittelt wurde ein Ideal häuslicher Harmonie, geprägt von Fürsorge, Anpassung, Dienen und Unterordnung – zusammengefasst in Aussagen wie: „Allen hat es geschmeckt, und selbst der gestrenge Haushaltungsvorstand sagt: ‚Liebes, das war prima!‘“ (Elisabeth Schuler, Gut gekocht und doch gespart, 1959).
Wir konservieren aus den Büchern herausgelöste Seiten in Einmachgläsern. Texte und Illustrationen werden zerschnitten, gefaltet und zu Papierschiffchen oder Papierflugzeugen geformt. Die spielerische Anmutung dieser Objekte persifliert den normativen Gehalt der Texte, den sie einst trugen.
Und heute?
Sind Kochbücher emanzipiert?
Helfen sie heute allein, unseren Hunger zu stillen? (Zischg + Kolt)
